Petersfehn schafft sich ab

Was sonst nicht so richtig passt.
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Hinnerk
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Petersfehn schafft sich ab

Beitrag von Hinnerk » Di 18. Apr 2017, 20:57

Nachdem vor einigen Jahren der Schützenhof dicht machte und nun Platz gemacht hat für Betreutes Wohnen hat jetzt auch der Buntspecht seine Tür für immer geschlossen. Das Gebäude soll abgerissen werden und einer Wohnbebauung weichen.

Toll! Jetzt hat der Ort nicht eine Kneipe oder Gaststätte mehr, wo man sich im Freundeskreis bei einem Bier zu netten Gesprächen treffen kann. Auch die Stammtischrunde muss da eben zuhause stattfinden. Weiterhin haben Vereine und andere Gruppen vor Ort keine Möglichkeit mehr sich irgendwo zu treffen. Selbst der Beerdigungsbutterkuchen muss fortan im Nachbarort eingenommen werden.

Diese Entwicklung finde ich sehr traurig. Mit dem Schützenhof und dem Buntspecht hat Petersfehn etwas wichtiges verloren: Die Möglichkeit, als Dorfgemeinschaft oder als Teil davon zusammenzukommen, neue Kontakte zu knüpfen, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu fördern, die Möglichkeit miteinander in der Öffentlichkeit zu kommunizieren.
All das sind Dinge, die wichtig für ein gutes Miteinander sind und ein Dorf lebenswert machen.
Hätte ich die Aufgabe, Wohnorte ähnlich Restaurants mit Sternen auszuzeichnen müsste ich Petersfehn jetzt mindestens einen davon abziehen. Da fehlt einfach etwas. Früher fehlte den Petersfehnern ausreichende Einkaufsmöglichkeiten und heute die Kneipe. Letzteres wird die Anonymität, die ohnehin vermehrt in allen möglichen Bereichen zu spüren ist, noch vergrößern. Das ist keine gute Entwicklung.

Aber nun ist es zu spät, sich über gelegte Eier Gedanken zu machen. Der Buntspecht ist weg. Ersatz wird es so schnell, wenn überhaupt, nicht geben. Die beiden Restaurants Akropolis und Bon Giorno sind da sicherlich kein Ersatz. Beides sind eben typische Speiserestaurants und keine Kneipen mit Theke, die so etwas wie den Schützenhof ersetzen können der ja immerhin noch über einen Schankraum mit Theke verfügte.

Aber dafür hat Petersfehn etwas anderes Neues, etwas Bodenständiges: Einen Bestatter. Nichts gegen Bestatter. Die werden immer und überall gebraucht. Nur… irgendwie passt das jetzt gerade gut zusammen: Ein sterbender Ort bekommt seinen Bestatter.
Nun gut, lieber einen Bestatter als eine Spielhalle im Ort. Das wäre das Allerletzte. Obwohl ich mir da nicht ganz sicher bin. Eine Immobilie ließe sich da ganz bestimmt finden…

Grenzgänger
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Re: Petersfehn schafft sich ab

Beitrag von Grenzgänger » Fr 5. Mai 2017, 15:05

Volle Zustimmung! Ich finde es schade, dass Petersfehn keine Kneipe bzw Lokal (mehr) hat, wo man sich im Freundes- oder Vereinskreis zu einem Plausch bei einem Bier treffen kann. Und ja, die Restaurants Akropolis und Bon Giorno sind da weniger geeignet. Friedrichsfehn hat da immerhin noch das Landhaus mit seinem Schankraum und Theke. Als Gruppe kann man sich dort auch in eines der kleineren oder größeren Räumlichkeiten zurückziehen. Das ging bis vor ca. zwei Wochen auch noch im Bosporus an der Dorfstr. Der ist nun auch dicht. Aber allem Anschein nach macht der unter neuer Regie und nach Umbau wieder auf.
Was in Petersfehn gänzlich fehlt ist eine "Dorfstruktur" also das, was ein Dorf ausmacht bzw. lebenswert macht. Z.Z. erscheint Petersfehn nichts anderes als eine Wohnstadt ehemaliger Oldenburger zu sein, die sich mangels günstigen Baulands in ihrer Heimat- und Arbeitsstadt eine Scholle mit Bausparkassenhütte im grünen Ammerland angeschafft haben.
Vielleicht liegt die (negative) Entwicklung ja auch daran, dass die Ureinwohner des Dorfes langsam dahinsterben und den jungen zugezogenen Familien an so etwas wie Dorf- und Gemeinschaftsleben gar nichts liegt? Man lebt in der "Fremde". Und wie so viele unserer ausländischen Bürger aus Kriegsgebieten bleibt "man" lieber unter sich. Vielleicht brauchen die aus der Stadt zugezogenen Neu-Ammerländer auch so etwas wie Integrationshelfer? Aber dann braucht Petersfehn auch die Möglichkeit sich in Gruppen irgendwo zu treffen. Viele Dörfer im Ammerland haben ja ein Dorfgemeinschaftshaus. Warum eigentlich Petersfehn nicht? Ja, es gibt das ehemalige Gebäude der freiwilligen Feuerwehr, welches jetzt die Heimatdiele Petersfehn e.V. mehr oder weniger sein Eigen nennt. Diese Räumlichkeiten stehen aber in erster Linie dem Vereinsleben (Theatergruppe) zur Verfügung. Die Bürger haben von diesen Räumlichkeiten wenig bis gar nichts. Warum ist das so?

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Re: Petersfehn schafft sich ab

Beitrag von Beate » Mo 8. Mai 2017, 16:01

Ja, es ist schon traurig, wenn Petersfehn über keinen Versammlungsraum in Form einer Kneipe, Dorfgemeinschaftshaus oder ähnlichem mehr verfügt. Wenn es jetzt schon so weit ist, dass beispielsweise die Mitgliederversammlung des Bürgervereins bei Bischoff in Kayhauserfeld stattfinden muss ist das kein gutes Zeichen. Bürgervereine erfüllen eine äußerst nützliche Funktion, nämlich die Wahrnehmung und Förderung des Gemeinwohls. Auch setzen sie sich entsprechend bei den Gemeinden und Landkreisen für die Interessen ihre Bürger ein. Sie verkörpern das Bindeglied zwischen den Bürgern und der Verwaltung.

Wenn nun aber aufgrund gegebener Zwänge der Bürgerverein gar keine Möglichkeit mehr hat (oder nur unter beschwerten Bedingungen) eine Mitgliederversammlung einzuberufen ist das kein gutes Omen. Es sind schon viele Bürgervereine aus verschiedenen Gründen eingeschlafen. Einer davon ist die Tatsache, dass immer weniger Menschen bereit sind irgendwo ehrenamtlich tätig zu sein.
Nehmen ja, geben nein. Schade!

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Re: Petersfehn schafft sich ab

Beitrag von Stadtei » Fr 19. Mai 2017, 22:35

Kneipen im eigentlichen Sinne (die typische „Eckkneipe“) haben keine Zukunft mehr. Das Bier ist da schlicht und einfach zu teuer geworden. Was noch recht gut läuft sind Gesellschaftshäuser mit großem und kleinem Saal und verschieden große Räumlichkeiten für Gruppen und kleinere Gesellschaften. Das Friedrichsfehner Landhaus ist da ein gutes Beispiel. Wer da mit einer Gesellschafft feiern will muss sich da frühzeitig anmelden.

Was den Bürgerverein betrifft: Da habe ich momentan keinen Bezug. Das liegt vielleicht daran, dass ich nichts über ihn weiß und was er macht. Ich meine das jetzt nicht negativ. Aber irgendwie ist der für mich einfach nicht präsent bzw. nicht existent.

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